| Blutbild einer Fledermaus Ich habe mir einen Pfahl ins Herz getrieben, bin aber Dracula geblieben. Ich kann das Holz, will ich Blut lecken, rausziehen und dann wieder reinstecken. Alles eine Frage der Disziplin, ein Mann hat sich im Griff oder es hat ihn. Wenn ich mein Herzloch verstöpselt habe, bin ich gemütlich als wie ein Schwabe. Ich esse gute Hausmannskost: Kartoffeln. Sauerkraut, Würstel vom Rost. Ich trinke Tomatensaft, Möhrensaft, Kirsch und manchmal diesen Schnaps mit dem Hirsch. Man sieht, es muss für mich nicht einmal rot sein, das Fleisch auf dem Teller sollte aber tot sein. Hingegen, wenn ich den Pflock rausreiße, kann es schon vorkommen, dass ich beiße. Deshalb bitte ich Abstand zu halten, ihr könnt euch den Moment lang auch woanders entfalten. Schließlich bin ich im Dienst beim Schlürfen, ich mache das für Geld, darf das also dürfen. Ich prüfe im Auftrag der Politik das Blut, wie deutsch, wie süß, wie dick und wie dunkel, ich halte das fest, ist mein Job. Was dann damit wird, mach ich mir keinen Kopp. Ich ahne es freilich, ich bin ja Elite, ein Fachmann von Adel auf meinem Gebiete. Daten werden bundesweit wöchentlich erhoben und - beileibe nicht nur die Ergebnisse meiner Proben werden - erfasst, auch die Rotz- und Wasserbestände; das geht aber alles nicht mehr durch meine Hände. Zweck des Ganzen, soweit ich' s beurteilen kann, ist die Erforschung der Körperflüssigkeiten, um ihre Nutzung vorzubereiten. Seit nämlich Arbeit kaum noch Gewinn verspricht, sucht die Weltordnung neu nach Gesicht und Gewicht. Nur soviel: Verzicht allein bringt es nicht, wenn' s der Ökonomie an Profit gebricht. Jetzt müssen Blut, Schweiß, Tränen fließen, um neue Reichtumsquellen zu erschließen. Es gilt zu heulen, zu bluten, zu schwitzen als erste Bürgerpflicht, nicht mehr nur dasitzen. Der ganze Jammer wird flüssig gemacht, weil nur so die Sonne morgen wieder lacht. Quetscht euch aus wie Zitronen, denn irgendwas muss sich ja lohnen. Stinken wie ein Iltis, weinen wie ein Krokodil, dabei bluten wie ein Schwein, und von alledem möglichst viel. Wenn es weh tut, tut es gut. Und ich bin zuständig nur für Blut. Das allein ist, was ich leisten kann, für Schweiß heb ich nicht den Sargdeckel an. Tränen bringen mich zum Gähnen. Arbeit macht mich scheu, aber Blut auf den Zähnen macht, dass ich mich freu. Ich verdanke viel meiner Gabe, wenngleich ich vom Leben sonst kaum was habe: den Pfahl und ein Loch zwischen meinen Rippen. Politisch zieh' n andere die Strippen. |
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